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Der PII Phuture Blog

  1. Der Cyberkrieg als Unschärferelation

    Ron Hoffmann

    Mit der Ankündigung ein Cyberabwehr-Zentrum bei der Bundeswehr einzurichten, hat auch bei den deutschen Streitkräften die Realität des 21. Jahrhundert Einzug gehalten – der digitale Informationsraum wird als Gefechtsfeld erkannt.

    Neben den klassischen Ebenen Land, Luft, See kommt also die Cyberdimension hinzu (die USA definieren noch den Weltraum als 5. Dimension). Bis zu 14.00 Soldaten, derzeit gesucht unter Stichwort “Digitale Kräfte”, sollen hier künftig tätig werden.

    Doch was ist nur Bedrohung und wo findet bereits der Cyberkrieg statt? Wenn schon die Grenzen durch unkonventionelle und hybride Kriegsführung in der realen Welt fließend sind? Russland hat es auf der Krim und in der Ostukraine vorgemacht und scheint sich geradezu auf diesen unscharfen Raum zu konzentrieren.

    Der Verbund der führenden Industrienationen G7 hat jüngst, wie auch die NATO, vereinbart auf Cyberattacken angemessen reagieren zu wollen. Im Zweifel militärisch. Ganz real. Virtuelle Attacken könnten damit in Zukunft den Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages auslösen. Cyberabwehr müsse „Teil unserer kollektiven Verteidigung“ sein sagte der Generalsekretär.

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    Erstmal dicke Backen machen

    Das sind große Töne, die jedoch im luftleeren Cyberraum verhallen dürften. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat gerade erst festgestellt, dass Russland hinter dem Hack des deutschen Bundestags letztes Jahr stecken soll. Selbstverständlich bestreitet der Kreml die Vorwürfe. Auch beim Angriff auf die US Demokraten (Wahlkampfhilfe für Putins Brieffreund Trump?) führt die Spur eindeutig nach Russland.

    Denn was soll jetzt erfolgen? Der Konter-Hack? Wäre angemessen, wird aber sicherlich nicht von Deutschland aus erfolgen. Die Ausrufung des Bündnisfalls? Natürlich nicht. Niedrigschwellige Aggression wird so zum Dauerinstrument gegen den Westen, besonders von selbstherrlichen Potentaten wie Putin oder Nordkoreas wirrem Junior-Dikator.

    Wichtig aber ist solche Attacken aufzuklären und öffentlich zu machen, um klar zu zeigen, wer die offenen Gesellschaft, besonders repräsentiert durch Parteien und Parlamente, angreift. Der Westen lebt auch in der digitalen Welt von Offenheit und Transparenz, der freie Fluss von Informationen ist ein hohes Gut. Fast scheint es, als passe genau das den klassischen Störenfrieden der Weltpolitik nicht. Lassen wir Ihnen Ihre kindischen “Erfolge”.

     

     

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  2. Go für Google’s künstliche Intelligenz!

    Ron Hoffmann

    Der Internetgigant setzt auf KI und gibt einen Ausblick auf die Zukunft. 

    Der digitale Fortschritt zeigt dabei immer öfter seine zwei Gesichter.

    Eine intelligente Software von Google ist erstmals angetreten einen Meister im asiatischen Strategiespiel „Go“ zu schlagen und verblüffte den menschlichen Profi gleich in der ersten Runde. Vor kurzem noch wurde dem Überwinden der letzten Hürde komplexer Spiele, die das menschliche Hirn entwickelt und meisterhaft beherrscht hat, durch den Computer locker 10 Jahre eingeräumt. Nun ist auch diese Barriere genommen. Der Webriese schickt sich damit an, die KI zu revolutionieren – früher als prophezeit. Ist dies einmal mehr ein Entwicklungsschritt, der Faszination wie Besorgnis gleichermaßen hervorruft?

    KI als Oberbegriff intelligenter Maschineleistung

    Zunächst was wird unter künstlicher Intelligenz eigentlich verstanden? Subsumiert wird darunter ein ganzes Spektrum an fortschrittlicher Maschinenleistung, etwa: Robotik, lernende Software, Sprachtechnologie, intelligente Analytik zur Datenauswertung, selbststeuernde Systeme, lernende Netze und intelligente Schnittstellen. Im Zentrum steht aber immer die Frage, welche Leistungen helfen dem Menschen komplexe Aufgaben sinnvoll zu meistern und welchen Stellenwert nimmt die KI in unserer Umwelt ein. Wird sie gar eigenständig und bedarf der berühmten Regeln Asimovs, um für den Menschen beherrschbar und nicht zur Bedrohung zu werden?

    Soweit ist es noch nicht. Gerade die Robotik zeigt bei Wettbewerben immer wieder, welche Defizite sie noch hat. Bei Software dagegen sind jedoch weiter rasante Leistungsschübe zu erwarten, wie das Beispiel von Google zeigt.

    Intelligentere Suche

    Gerade erst hat der Innovationsmotor aus Mountain View den KI-Experten John Giannandrea zum Head of Search ernannt. Das wird als weiterer Fingerzeig gewertet, dass Deep Learning und intelligente Software einen noch größeren Stellenwert in der Konzernentwicklung einnehmen. Die Suchmaschine soll nicht nur auf eingespeiste Algorithmen zurückgreifen, sondern ständig selbst lernen und besser werden. Die Vision könnte der Computer des Raumschiffs Enterprise sein, der dem Menschen als mächtige Intelligenz zur Seite steht. Bislang, so Giannandrea, sind Computer auf dem Stand eines 4-jährigen. Das soll sich rasch ändern.

    Der erste internationale Personalausweis

    Die vertiefenden Daten, die Google bereits jetzt dank des Knowledge Graphs ausspuckt – zum Beispiel umfangreiche Biographiedaten bei der Prominentensuche – sind dabei nur der Anfang. Wie ungewünschte Informationen dabei möglichst außen vor bleiben, ist wieder nur ein Aspekt des leidigen aber notwendigen Streits beim Thema Datenschutz. Klar ist, dass Google auch bei der Personensuche noch mehr Quellen anzapfen wird, um ein möglichst umfangreiches Bild zu erstellen. Der weltweit erste internationale „Personalausweis“ wird also bald von Google ausgestellt werden. Dies kann zur Authentifizierung wie zum bargeldlosen Geldtransfer genutzt werden, aber auch mit versteckten Scores wie einem Bonitätswert angereichert werden. Eine kritische Debatte dazu sollte die digitale Entwicklung also in jedem Fall begleiten. Bis dahin gilt einmal mehr: achten Sie auf Ihre Spuren im Netz!

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  3. Must Reads 2015

    Ron Hoffmann

    Titel I  P.W. Singer: Wired for War

    Pünktlich zum Jahresende und rückblickend auf ein stürmisches Jahr mit vielen Krisen möchte ich zwei Buchtitel empfehlen, die das Thema Krieg (und Technologie) in den Fokus rücken.

    Zum einen das nicht mehr ganz frische, in seiner Skizzierung der zukünftigen Krieg- und Konfliktbewältigung bzw. -führung, dennoch noch aktuelle Werk von P.W. Singer „Wired for War“.

    Singer zeichnet die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI oder AI) nach und zeigt die bereits zahlreich eingesetzten intelligenten Waffensysteme, besonders bei der US Army.

    Vor dem Hintergrund des erwarteten technologischen Fortschritts der künstlichen Intelligenz projiziert er die weitere Entwicklung und lässt beim Lesen genügend Raum eigene Überlegungen zugunsten eines schlüssigen Zukunfstbilds einfließen zu lassen.

    Der Wettlauf der Systeme hat bereits eingesetzt, doch entscheidend wird die optimale Verknüpfung humaner Bediener und Kombattanten mit autonomen Systemen wie Robotern oder halbautomatisierten Systemen wie Drohnen sein. Die USA besitzen hier nicht nur einen technischen Vorsprung und greifen auf zahllose, geförderte Entwicklungen aus dem Silicon Valley zurück, sondern haben durch ebenjene Tech-Culture eine breite Akzeptanz für den aktuellen wie künftigen Einsatz intelligenter (Waffen)systeme geschaffen.

    Eine vertiefende ethische Diskussion wird weitgehend ausgeklammert, der Leser muss hier an anderer Stelle weiterlesen und -denken, was natürlich zum Kritikpunkt führt. Dennoch kann auch in der Nüchternheit der Darstellung von Technik und Taktik die Erkenntnis liegen, dass womöglich die zukünftige Beschaffenheit bewaffneter Konflikte ebenso nüchtern eintreten wird. Das entbindet die Entscheidungsträger der Politik, zumindest auf Seiten der westlichen Welt, natürlich nicht von einer möglichst umsichtigen Abwägung des Einsatzes der Waffen und Mittel. Ohnehin bleibt Clausewitz die unentbehrliche Grundlage jeglicher Kriegstheorie.

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  4. Siri lernt fahren (und kann trotzdem nicht die Klappe halten)

    Ron Hoffmann

    Die Gerüchte verdichten sich täglich – erst wurden Automobilexperten abgeworben, dann die Nutzung einer Teststrecke für autonomes Fahren beantragt. Apple entwickelt ein Automobil! Jetzt wirklich. Neben dem notorischen Google natürlich, das seine Pläne in mehr oder minder süßen Knutschkugeln bereits visualisiert hat. Dass das Google-Konzern-Konglomerat nun den schicken Namen “Alphabet” trägt und damit namensgleich mit einer Leasingtochter der BMW Group ist, scheint dabei nur eine lustige Verwechselung am Rande (Phase II hat – auch das nur gaaanz bescheiden am Rande – bereits einige Kommunikationsprojekte für Alphabet, also die BMW Tochter, umgesetzt).

    Siri lernt also nicht nur intelligent zu assistieren, sondern auch zu fahren und kann uns stressfrei von A nach B bringen. Vorausgesetzt sie hält die Klappe natürlich. Ob Apple dabei mehr als die Farben Weiß, Spacegrau und Gold anbietet muss noch abgewartet werden. Für weniger Rätselraten dürfte die Antriebsart sorgen: natürlich wird es ein Diesel…meinte Elektro-Auto natürlich! Ebenso wie Steve Jobs Flash verflucht hat, dürfte er dem Commonrail oder Turbodiesel-Antrieb seinen Segen verweigert haben. Da zu ruckelig im (Strassen)bildaufbau, zu wenig kompatibel an US-Tankstellen und überhaupt zu unelegant (wer will schon mit Handschuhen tanken?). Wie lange der Akku von dem Elektrowundermobil hält und ob das iPhone im Notfall auch als Ladestation dienen kann, bleiben einstweilen noch Fragen für die Kristallkugel. Zumindest der Radioempfang dürfte seit Antennagate erstklassig sein.

    Was gleich zum Stichwort Bendgate überleitet. Apples iPhone 6plus war ja gerne mal in Bananenshape, wenn man es beim hinflätzen in der Gesäßtasche vergessen hatte. Apple, so darf man vermuten, wird hieraus eine Tugend machen und das iCar womöglich ganz dem Fahrer anpassen. Quasi anschmiegen. Für groß oder klein, dick oder dünn, immer das passende Auto. Oder der Wagen kann sich in jede noch so kleine Parklücke quetschen, dank dynamischer Bending-Karosserie. Ich sag nur Smart, my ass!

    Und wem beim herumkutschiert-werden langweilig wird, der dürfte auf dem großflächigen Display vor ihm genügend Unterhaltung finden. Ob ein anregendes Spiel, ein kniffliges SuDoku oder eine Absturzsimulation aus Windows 95, hier schläft keiner so leicht ein. Aber vorsicht, bruchsicher ist der Innenraum natürlich nicht, es sei denn man hat die separat bestellte Kunstoffhülle in Pastellfarben darübergezogen. Die können die Gören dann auch mit Schoko- und Eisgriffeln betatschen. Das Display im Frontbereich sieht natürlich in jedem Fall beschmiert aus. Ein automatisches Displayreinigungssystem lässt aber auch hier bestimmt nicht lange auf sich warten. Alles in allem bietet das Apple Auto somit reichlich Raum für Innovationen, die wir kaum erwarten können. Gerüchte wonach BMW massiv bei der Entwicklung hilft, sind im Übrigen nicht aus der Luft gegriffen. Ob die über einen Weißwurst-Halter im Cockpit hinausgehen darüber darf genüsslich spekuliert werden…

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  5. Die Empörungsgesellschaft oder ist das Netz der Shitstorm?

    Ron Hoffmann

    Man kennt das selbst oder zumindest vom Hörensagen, besser gesagt vom Lesen im Netz: ein Kommentar bzw. Statement wird zu einem bestimmten Thema gegeben und was folgt ist eine prompte und heftige, mitunter derbe Gegenreaktion. So erging es Till Schweiger zum Thema Flüchtlinge, so erging es Dieter Nuhr zum Thema Griechenland, so ergeht es täglich weniger Prominenten, wenn sie sich in ihrer Aussage so positionieren, dass es dem darauf aufmerksam gewordenen „Schwarm“ nicht in die politische oder ethische Gesinnung passt.

    Laut Medientheorie befinden wir uns auf dem Weg von der Mediengesellschaft zur Empörungsgesellschaft – man könnte auch sagen zur Meinungsüberwachungsgesellschaft. Oft kann man dieses Phänomen nur recht staunend mitansehen. Den überstrapazierten Begriff des Shitstorms kann man angesichts der Frequenz der Wutwellen getrost weglassen und muss fragen, ob der Meinungssturm nicht Teil des normalen Netzverhaltens geworden ist.

    Bekannt ist, dass die Empörungsmachinerie umso krasser läuft, umso mehr Nutzer sich anonym äussern können. Dies gibt vor allem dem Trolling breiten Raum. Was dazu führt, dass gelegentlich ein Ende namen- und identitätslosen Treibens gefordert wird. Zwar können der Zwang zur Netzidentität in der Folge derbste Auswüchse wie Beleidigungen verhindern, aber das wäre sicher nicht das Ende der neuen Form der „Debattenkultur“. Natürlich muss man Meinungsvielfalt und argumentative Duelle zulassen und möglichst fördern, aber dafür sind sowohl die sozialen wie die klassischen Medien in Ihrer Struktur bislang schlicht nicht geeignet. Linear strukturierte Kommentarspalten und das einfache Liken der provokantesten Aussagen führen eben nur zu Marktplatzgeschrei und populärem Pöbeln. Einige Medien, wie die süddeutsche Zeitung, gehen hier bereits einen anderen Weg, in dem sie separate Diskussionsforen einrichten und diese mit Moderatoren betreuen. Die kurartierten „Leserbrief“-Zonen nehmen der Sache natürlich die webeigene Dynamik, können aber zumindest Trollen – zum Beispiel denen staatlicher Akteuere aus Sankt Petersburg – erstmal mal den Schwung entziehen.

    Das zugrundeliegende und bislang in der Betrachtung vernachlässigte Problem sind jedoch die kaum zu durchdringenden komplexen Zusammenhänge der klassischen Erregungsthemen wie Flüchtlingspolitik, Griechenland oder Ukraine. Sicherlich führen viele im Kern gute Argumente ins Feld, nehmen es aber mit der Wahrheit bzw. Faktenlage nicht immer so genau. Zum größten Teil sicherlich unwissentlich, da kaum jemand wirklich Experte ist auf dem Gebiet, aber jeder meint etwas dazu sagen zu können. Und natürlich Recht zu besitzen.

    Auch hier kann man über Lösungen nachdenken. Zum Beispiel über von unabhängigen Expertengremien verfasste „Faktseiten“, die die grundlegenden Hintergründe erklären und populäre Falsch-Thesen möglichst aktuell widerlegen. Eine Art Krisen-Wikipedia. Das ernüchtert zwar erneut, denn das Weltbild wird dadurch eben nicht einfacher, aber vielleicht kann die neue Debattenkultur hierdurch etwas faktenreicher gestaltet werden. Es bleibt viel zu tun und noch mehr zu diskutieren im Netz! Aber bitte mit Anstand :)

     

     

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  6. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst…

    Ron Hoffmann

    …gefälscht hast. Eine gern zitierte Binsenweisheit, dennoch lassen wir uns seit jeher von Zahlen und Daten beeindrucken, suggerieren sie doch wissenschaftliche Genauigkeit. In jeder politischen Talkshow oder Sachdebatte wird mit Zahlen, Statistiken und geradezu in die Luft gezeichneten Charts um sich geworfen. Besonders in Zeiten von Big Data nimmt diese Zahlenhörigkeit weiter zu und zementiert das Primat der Statistik.

    Den Zahlen-Zinnober hat ein Harvard Student jetzt anschaulich auf die Schippe genommen und Korrelationen verknüpft, die scheinbar einen Zusammenhang herstellen – aber eben nur scheinbar. Zum Beispiel bei der auffälligen Übereinstimmung von Nocolas Cage’s Filmauftritten und Pool-Unfällen in den USA. Diese und andere amüsante Korrelationen sollte man anführen, wenn der Gesprächspartner wieder kopfüber im Zahlensalat hängt und einen mit Statistiken erschlagen möchte.

    Die Losung sollte also lauten: Zahlen? Ja bitte, aber kombiniert mit klarem Verstand und Bauchgefühl.

    http://www.tylervigen.com/spurious-correlations

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  7. Watch out!

    Ron Hoffmann

    Die Apple Watch kommt – endlich?

    Wieder einmal stellt uns Apple ein Gerät vor, von dem wir bislang schulterzuckend annahmen es keinesfalls brauchen zu müssen. Nicht zuletzt da Smart Watches als Speerspitze der neuen tragbaren Gadgets (“Wearables”) nun schon einige Zeit am Markt sind und außer Laufsportfans keinen wirklich hinter dem Ofen hervorlockten. Dennoch traut man gerade Apple wieder den berühmten Game-Changing-Move zu, was sich in den kolportierten massenhaften Vorbestellungen zeigt.

    Ich selbst bin hin und hergerissen, was zunächst darin zum Ausdruck kam, dass ich meine zunächst getätigte Vorbestellung wieder storniert habe. Als ewiger Appleianer ist es für mich zwar einerseits völlig ausgeschlossen diese Uhr nicht zu besitzen – um zumindest die erste Geräte-Generation in die Sammlung der Tech- und Design-Ikonen aufnehmen zu können – andererseits lässt gerade letzteres, also die Designkomponente, für Apple arg zu wünschen übrig. Das Handgelenk als einzige Körperstelle an der dem Mann das Tragen von Schmuck wirklich zugestanden wird, ist eben vor allem der Schauplatz eines Modeassecoirs (Bond lässt grüßen). Die Apple Watch ist hier leider noch ein klobiges Etwas und eher ein “Zeiteisen” im schmählichen Sinne. Sicherlich werden die, hoffentlich kommenden Generationen, eleganter und schlanker. Solange sehe ich die Nutzung der Watch vor allem als tageweise Ergänzung des Zentralrechners – dem iPhone.

    Nie mehr allein?

    Doch wie wird die Kombination von iPhone und Apple Watch sich auf das Nutzerverhalten auswirken? Die meisten Menschen können jetzt schon nicht mehr ohne ihr Smartphone leben, es ist zum verlängerten Ich mutiert. Dennoch kann und muss man es manchmal zur Seite oder zumindest “aus den Augen” legen, um seiner Umwelt die nötige (gebührende?) Aufmerksamkeit zu schenken oder einfach mal seine Ruhe zu haben. Die Watch droht dagegen ständiger Begleiter zu werden und fordert im Zweifel permanente Aufmerksamkeit. Ich für meinen Teil weiß bereits, dass ich sozialen Anwendungen, außer Messeging-Diensten, das ständige in den Vordergrund drängeln nicht erlauben möchte.

    Als reines Infodisplay finde ich den Ansatz der Watch auch nicht zukunftsfähig. Was bislang an wirklichen Tools mit Nutzwert präsentiert wurde (Gut: Ersatz der Hotelkarte um universellen Zugang zu erhalten oder als Bezahlsystem) ist vernünftig aber noch zu dürftig. Hier darf mehr passieren. Auch was die Sensoren betrifft, kann ich mir gelungene Anwendungen, z.B. im medizinischen Bereich vorstellen. Warum nicht der eigene Bluttest?

    Man darf gespannt sein, welche Anwendungen hier noch entwickelt werden, um die ganze Bandbreite der Technik und des neuen “Spielplatzes” am Arm des Trägers voll auszunutzen. Wer bis dahin Spaß an einer Apple Watch im Selbstbaukasten hat, der darf sich von der Apple II Watch des Instructables-Nutzer Aleator777 inspirieren lassen. Garantiert nicht aus dem Kaugummi-Automaten!

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    Foto: Aleator777 / Instructables

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  8. Schuss vor den Bug der Plattformökonomie. Disrupt für Uber!

    Ron Hoffmann

    Es hätte so schön bleiben können: die nächste Fahrt ganz einfach per App bestellen, kurz warten, einsteigen und von einem Rentner, Student oder sonst einem Microjobber für kleines Geld durch die Gegend kutschiert werden. Dank aggregierter Umsätze hätte vor allem einer verdient: Uber, aus San Francisco. Deswegen der Finanzierungshype in einigen mit quietschenden Reifen gefahrenen Venture-Runden.

    Enstcheidung gegen Uber

    Doch in Deutschland scheint nun Schluss damit. Das Landgericht Frankfurt hat den Taxi-Dienst Uber deutschlandweit verboten. Bereits im September hatte das Taxi Gewerbe eine einstweilige Verfügung erwirkt, die jedoch wieder aufgehoben wurde. Im Hauptverfahren am Mittwoch wurde nun entschieden: Keine Uber-Fahrten mehr ohne behördliche Genehmigung.

    Disrupt?

    Bedeutet das nun das nahe Ende der Plattformökonomie von Uber, Airbnb & Co. im regulierten Europa? Das lässt sich natürlich keineswegs pauschal sagen, es zeigt allerdings deutlich, wer glaubt mit simplen Geschäftsmodellen ganze Branchen aushebeln zu können (Disrupt!), sollte die Rechnung nicht ohne Politik und Behörden machen. Und dies ist zumindest im vorliegenden Fall gut so! Auch wenn ich mich über rücksichtslose und sich kaum an Strassenverkehrsregeln gebunden fühlende Taxi-Fahrer besonders in Köln seit langem ärgere: es ist nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch gesellschaftspolitisch schädlich, wenn sich ganze Wirtschaftszweige durch elektronische Mittler per App monopolisieren lassen und die ausführenden Werkzeuge (hier die Fahrer) sich zu Centbeträgen am Markt prostituieren. Tausende reguläre Taxiunternehmen samt Fahrern in Deutschland erwirtschaften Millionenbeträge, die versteuert und sozialversicherungspflichtig angemeldet werden und damit dem Gemeinwohl dienen. Uber hätte Steuern wohl auf Blue Curaçeau bezahlt und dem Bürgermeister dort allenfalls eine goldene Palme spendiert.

     

     

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  9. 2015: Welcome Marty!

    Ron Hoffmann

    Es ist soweit, wir schreiben das Jahr 2015 und warten sehnsüchtig auf die Ankunft unseres Kindheitshelden Marty McFly aus Zurück in die Zukunft! Auf Facebook werden bereits die ersten Welcome-Parties organisiert.

    Die Zukunft ist also längst zur Gegenwart geworden, allerdings verfügen wir weder über Zeitmaschinen in einem stilsicheren Delorean noch Fusionsreaktoren um denselbigen anzutreiben. Dennoch nimmt der Film auch, verblüffend genug, Technologien voraus, deren damals revolutionäre Erscheinung uns heute allzu alltäglich erscheint. So gibt es zwar noch keine 3-d Werbung, aber 3-d und Kino gehören heute ebenso zusammen, wie das Internet zum smarten Fernsehen, was in den Home-Szenen des Films mit dem Einblenden relevanter Personen-Infos gezeigt wird.

    Dennoch hat man zuweilen den Eindruck, dass die Zukunft weit weniger spektakulär über uns hereinbricht, als oftmals angenommen. Gähnen wir aber besser nicht zu früh – Rechenkapazität, Vernetzung, automatisierte Fertigungsverfahren und andere Schlüsseltechnologien sind erst jetzt so ausgreift, dass uns in den kommenden Jahren die wirklich großen Innovationen nach der bereits sehr fortgeschrittenen Kommunikationstechnologie bevorstehen sollten. Sei es in der Medizin, bei intelligenten Maschinen oder der systematischen Auswertung gewaltiger Datenmengen.

    Nur das Zeitreisen wird ebenso wie das fliegende Auto auf sich warten lassen. Zum Glück!

    http://www.faz.net/-gx7-7yaxc

     

     

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  10. Ron Hoffmann

    Zum Jahresende möchte ich noch drei Buchempfehlungen von Werken geben, die man in diesem Jahr gelesen haben sollte, wenn man sich mit aktuellen digitalen Entwicklungen und Zukunftstrends beschäftigt.

    Teil I Jaron Lanier – Who owns the future? (Wem gehört die Zukunft?)

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    Zu Recht mit dem Friedenspreis des deutsch Buchhandels ausgezeichnet, hatte ich bereits im vergangenen Jahr das Vergnügen das Buch noch vor der deutschen Publikation zu lesen. Lanier nimmt die Freiheit des Netzes im Allgemeinen und die Monopolisierung bzw. die Insellösungen der großen Webangebote (Facebook, Amazon, Apple iTunes etc.) im Besonderen kritisch unter die Lupe. Er kritisiert dabei nicht nur, sondern macht konkrete Lösungsvorschläge wie jeder, der am Internetverkehr durch Preisgabe von Daten oder kleinen Contentbeiträgen teilnimmt (z.B. durch eine Buchkritik), zum Mikro-Dienstleister des Webs und somit zum Profiteur der Digitalisierung werden kann.

    Interessant auch die Verweise auf die Vorteile einer reformierten Webarchitektur basierend z.B. auf 2-Wege-Links im Web – ein Konzept von Ted Nelson das erstaunlicherweise schon ein paar Jährchen älter als das moderne Netz ist.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Theodor_Holm_Nelson&oldid=127946308

    Wenn auch nicht vergnüglich runterzulesen, ist es doch ein hilfreiches Buch eines Digitalpioniers, der die laufende kritische Debatte über die Zukunft des Webs vor dem Hintergrund der „umzäunten Gärten“ der großen Player mit angestoßen hat. Vielleicht hat es sogar bereits jetzt dazu beigetragen, dass diese Zäune allmählich eingerissen werden.

     

    Teil II Dave Eggers – The Circle

    Kein Geheimtipp und dennoch noch einmal mehr erwähnenswert ist dieser, literarisch sicherlich unterfordernde, Nahe-Zukunftsroman des Bestseller-Autors. Langatmige Beschreibungen von unbedeutenden Szenen mal außer Acht gelassen, mischen sich hier Visionen von morgen – oder später am Abend, so nah scheinen sie herangerückt – mit bereits existierenden Tech-Phänomenen.  The Circle macht darauf aufmerksam, worauf wir zusteuern könnten, wenn Privatsphäre sich “zum Wohle aller” aufzulösen beginnt und jeder das Recht zur vollständigen Kontrolle und Transparenz erhält.

    Die technischen Möglichkeiten sind bereits jetzt vorhanden und müssten nur neu kombiniert werden, um das im Buch skizzierte Szenario Wirklichkeit werden zu lassen. Ein wichtiger Beitrag in Zukunft genau hinzusehen, nicht nur was Staaten so anstellen, sondern wie wir alle bereits heute dazu beitragen, gesellschaftliche Grundprinzipien von Freiheit und Individualismus auf dem Altar bequemer Anwendungen zu opfern.

    Dass wir der Euphorie der smarten Dienste längst nicht mehr völlig naiv unterlegen sind, zeigen die kritischen Diskussionen um den Fahrdienst Uber. Hier gilt es aber zugleich auch neue Entwicklungen nicht generell in Frage zu stellen, sondern für alle Beteiligten umfassend neu zu denken. Das Buch hilft definitiv bei der Bewusstseinsschärfung!

     

    Teil III Acemoglu & Robinson – Warum Nationen scheitern

    Kein Techbuch, aber ebenso bedeutsam für die Betrachtung historischer wie zukünftiger Entwicklungen ist das Buch der US-amerikanischen Professoren. Warum gibt es in der Wohlstandsentwicklung von Nationen so fundamentale Unterschiede, warum setzt sich die sogenannte Pfadabhängigkeit über so lange Zeiträume fort und was sind die besten Voraussetzungen für das Gedeihen von Gesellschaften? Diesen zentralen zivilisatorischen Grundsatzfragen wird hier auf mehr als 500 Seiten nachgegangen. Und in der Tat werden einige Antworten gegeben, die im Grunde auf die Kernthese der Wirksamkeit der guten Institutionen (sogenannte inklusive I.) zurückzuführen sind. Also eine funktionierende Verwaltung, Rechtssicherheit und ein interessenausgleichendes Verfassungssystem.

    Als Folge dieser Eckpfeiler wirkt dann die schöpferische Zerstörung in einem fort und sorgt für eine Marktdynamik, die letztlich allen zugute kommt.

    Im Gegensatz dazu wirken extraktive Institutionen in der Verwaltung und Politik entwicklungshemmend und begünstigen nur eine kleine Kaste auserwählter, die sich hemmungslos bereichern. Und das mit erstaunlich langfristigen Folgen.

    Natürlich sind die Autoren ganz im klassisch-amerikanischen Sinne Marktapologeten, richten den Fokus zu wenig auf die zunehmende Ungleichverteilung auch funktionierender Systeme, dennoch machen Sie auf die Wirksamkeit der Eckpfeiler prosperierender Gesellschaften aufmerksam, die wir in unseren Wohlstandsgefilden nur allzu leicht als gegeben hinnehmen. Wer wissen will, warum auch vormals dynamische Länder wie Russland und China keine dauerhaften Wohlstand für Ihre Gesellschaften schaffen und warum ganze Regionen über Generationen hinterherhinken, sollte unbedingt reinlesen.

     

     

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